Du bist Besucher: Zugriffszähler kostenlos
Hier findet Ihr einen Freundeskreis in Eurer Nähe: [bitte klicken]
FK Logo
beim BUKO in Brandenburgim Kloster Brandenburgbeim Bowling in Burgbeim Osterspaziergang
Das bin ich:
Norbert Faust
 
Ich bin froh zu wissen, dass ich Alkoholiker bin.
Weil das eine Krankheit ist, gegen die ich selber etwas
tun kann. Wenn ich Krätze hätte oder grüne Punkte im Gesicht,
dann müsste ich zu irgendeinem Arzt gehen, wäre ihm völlig ausgeliefert.
Gegen meinen Alkoholismus kann ich selber was tun.
ICH KANN KÄMPFEN GEGEN ETWAS, WAS ICH KENNE!
(dies ist ein Zitat aus einem Buch einer trockenen Alkoholikerin, welches ich im Frühjahr 2000 während einer
Kur in Sankt Peter Ording gelesen habe. Leider weiß ich ihren Namen nicht mehr, und bitte sie diesbezüglich
um Verzeihung, dass ich ihre Worte hier benutze. Aber ich finde diese Worte sehr zutreffend, für jeden von uns!)
Ich wurde am 11.01.1966 in Leipzig als ganz normales Menschenkind geboren.
Bis zu meinem 14. Lebensjahr war ich auch relativ unauffällig. Zu meiner Jugendweihe
hatte ich das erste mal richtig Kontakt mit Alkohol, denn an diesem denkwürdigen Tag
war ich das erste mal so richtig besoffen. Und ich schwor mir damals nie wieder Alkohol
zu trinken!
Doch es sollte anders kommen als ich es mir damals erträumte!

Jedenfalls war ich bis zu jenem Tag relativ unauffällig, nicht dass ich nicht auch mal Unfug
angestellt hätte (wer hat das nicht gemacht?), aber dies war nichts Weltbewegendes. Also
kann ich behaupten, ich habe mich normal entwickelt.

Nach meiner Schulzeit habe ich eine Lehre als Baufacharbeiter mit der Spezialisierungs-
richtung Stahlbetonarbeiten gemacht und diese auch, wie alle anderen, abgeschlossen.
Während meiner Lehre hab ich eigentlich nur gelegentlich mal einen über den Durst
getrunken. Meistens bei Brigadefeiern. Also war ich da auch noch so wie die anderen.

Direkt nach meiner Lehrzeit durfte ich meinen Wehrdienst antreten. Auch da war es mit
meinem Alkoholkonsum noch relativ normal. Außer, wir hatten Ausgangssperre wegen der
Messe in Leipzig, da haben wir natürlich jede Gelegenheit genutzt, um Sprit in die Kaserne
zu bekommen. Das war relativ einfach, denn jedes Mal wenn in Leipzig Messe war, hatten
wir auch Handwerker im Objekt, die nicht auf Alkohol kontrolliert wurden! Und dann ging
die Post so richtig ab.

Aber auch da fand ich mein Trinkverhalten immer noch als normal, denn die anderen tranken
ja auch! Also, warum sollte ich denen beim trinken nachstehen?
Das ganze zog sich dann die drei Jahre Wehrdienst hin, aber ich war immer noch normal.

Nachdem ich dann meine Dienstzeit beendet hatte, kam ich durch Vitamin B an eine Stelle als
Betriebsmaurer beim VEB Kombinat Textilreinigung in Halle. Das war im September 1987.
Der damalige stellvertretende Kombinatsdirektor lockte mich ganz simpel. Und zwar mit einer
eigenen Wohnung! Er sagte damals zu mir: "Wenn du zu uns als Betriebsmaurer kommst, be-
kommst du auch eine Wohnung dazu.", und warum sollte ich dieses Angebot nicht nutzen?
Also fing ich ´87 in diesem Betrieb an, und zog von zu Hause aus.

Nun war ich also frei, und konnte tun und lassen was ich wollte! Es dauerte auch nicht all zu-
lange und ich musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass sich mein Alkoholkonsum doch
mächtig gesteigert hatte! Ich trank für meine Verhältnisse zu viel! Das heißt, ich trank pro Tag
ca. eine halbe Flasche Kräuterlikör (meist Stonsdorfer oder Altmeister) und noch so fünf bis
acht Bier.
Dies änderte sich erst so gegen April - Mai 1988. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich meine jetzige
Frau kennen. Durch diese Begegnung mit ihr wurde mir bewusst, dass ich an meinem
Trinkverhalten etwas ändern muss, wollte ich sie nicht so schnell wieder verlieren! Denn, sie brachte
ein Kind mit in unsere Beziehung welches bereits 31/2 Jahre alt war, und nach ein paar Monaten
bereits Vati zu mir sagte.
Also trank ich wieder weniger. Jedoch dauerte dieser normale Zustand nur knapp zwei Jahre.
Kurz nach unserer Hochzeit im Jahre 1990 bekam ich einen Job bei einem bekannten Bauunter-
nehmen hier in Halle. Zuerst lief alles ganz normal. Ich ging meiner Arbeit nach und hatte mich 
auch sehr schnell in die Brigade eingelebt. Da war mein Trinkverhalten eigentlich immer noch
relativ normal!
Nach ca. 11/2 Jahren musste ich dann in eine andere Brigade, wo bereits zum Frühstück das erste
Bier gezischt wurde. Um nicht unbedingt als Niete dazustehen, tat ich es den Kollegen gleich, und
konsumierte ebenfalls zum Frühstück mein erstes Bier. Es dauerte auch nicht besonders lange
und mein damaliger Polier fragte mich ob ich Interesse als Vorarbeiter hätte. Ich Trottel sagte
natürlich ja. Also ging ich auf Vorarbeiterschulung. Nach zwei Wochen durfte ich mich dann auch
"Vorarbeiter Tiefbau" nennen.
Nun fing der Ärger erst richtig an! Ich durfte nun als Vorarbeiter (ohne entsprechende Bezahlung)
tätig werden, und wurde nun von unten angemotzt, weil ich die Anweisungen von oben durch-
setzen musste, und von oben wurde ich angemotzt, weil sich die Kollegen gegen meine Weisungen
sträubten. Also hatte ich nun erst recht noch mehr Gründe zum Saufen!
Es blieb nicht mehr nur beim "Bierchen" zum Frühstück und Mittag. Ich fing schon vor Arbeits-
beginn an mir den ersten Flachmann hinter die Binde zu kippen, immer in der Hoffnung das der
heutige Tag nicht so schlimm werden würde wie der vorangegangene!
Doch es dauerte nicht sehr lange, und meine Vorgesetzten bekamen Wind von meiner ständigen
Fahne zu Arbeitsbeginn und dem sich ständig haltenden Torkeln und lallen auf Arbeit. Das Ende
vom Lied, mir wurde angeboten einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung zu unterschreiben, oder
mein Chef würde mir sämtliche Fehler die ich auf der Baustelle mache in Rechnung stellen, und
mir von meinem Lohn abziehen. Also, unterschrieb ich den Aufhebungsvertrag und kassierte so
wenigstens noch 5.000,00 DM.
Nach meinem heutigen Wissenstand, rund um die Sucht, hätte mir mein damaliger Arbeitgeber
in Hinsicht auf meine Alkoholkrankheit helfen müssen, was er aber nicht getan hat.

Also hatte ich dann seit August 1996 noch mehr Zeit mich meinem liebsten Hobby, nach meiner
Hündin, dem Saufen, zu widmen.

Bis Anfang 2001 schlug ich mich, mehr Recht als Schlecht, mit gelegentlichen Jobs durch. Den
Ausschlag, mich mit mir und meiner Sucht auseinander zu setzen, gaben meine Frau und meine
Tochter, und in zweiter Linie das Arbeitsamt. Meine Frau und mein Kind kamen eines schönen
Tages nach Hause, und sagten mir ganz trocken ins Gesicht, dass sie bei einem Anwalt waren, 
und die Scheidungspapiere holen wollten! Das hieß für mich, sie wollten sich von mir trennen,
wenn ich nicht endlich etwas gegen meine Sauferei unternehmen würde. Der zweite Hieb kam im
Dezember 2000 vom Arbeitsamt, denn die Amtsärztin stufte mich damals als "nicht Vermittlungs-
fähig" ein, solange ich nichts gegen meinen Alkoholkonsum unternehme!
So ging ich denn schweren Herzens in die Suchtberatungsstelle der Stadtmission Halle, und sagte
der Dame am Empfang, dass ich Hilfe benötige!
Zu meinem Erstaunen bekam ich auch sofort ein Gespräch bei einem Suchtberater, der mir etliche
Fragen zu mir, meiner Familie, meiner Kindheit usw. stellte.
Das ganze zog sich ein 3/4 Jahr hin, bis ich dann das OK der LVA für eine Langzeittherapie in
Elbingerode bekam.

Je näher der Einrücktermin kam, 14.08.2001, um so mehr entschloss ich mich mit dem Saufen
aufzuhören! Eine Konsequenz daraus war, dass ich mit 0,00 Promille nach Elbingerode wollte.
Also entschloss ich mich dazu jeden Tag etwas weniger zu trinken, so dass ich bis zum 14.08.01
"trocken" bin.
Dank der Unterstützung meiner Familie gelang mir was ich nie geglaubt hätte. Am 09.08.2001 um
15:00 Uhr beim Gassigehen trank ich mein letztes Bier von der Tankstelle!
Und seit dem 10.08.2001 morgens um 06:00 Uhr habe ich angefangen meine trockenen Tage zu
zählen.

Während MEINER Therapie gaben sich die Therapeuten sehr viel Mühe mich in Einzelgesprächen
und auch in den Gruppenstunden auf ein ALKOHOLFREIES LEBEN vor zu bereiten.
Aus heutiger Sicht, muss ich gestehen dass dies garantiert nicht immer einfach für sie war.
Denn ich gab mir die größte Mühe mich anzupassen! Was mir relativ gut gelang. In den Gruppen-
stunden sagte ich immer wieder, dass ich diese Therapie dafür mache, damit ich wieder Arbeit
bekomme, also fürs Arbeitsamt, oder dass ich die Therapie wegen meiner Frau und Tochter mache,
also für meine Familie, oder aber auch das ich diese Therapie mache, damit ich meinen Führer-
schein wieder bekomme.
Und je näher das Ende meiner Therapie kam, um so deutlicher machte mir meine damalige
Gruppentherapeutin das meine Ehe sowieso im Arsch sei, und mich meine Frau nach der Therapie ver-
lassen würde. Diese Äußerungen von ihr veranlassten mich dazu, die Therapie eine Woche früher zu
beenden!
Ich war aber nicht so feig wie andere, die ebenfalls die Therapie vorzeitig beendet hatten, an der
letzten Gruppenstunde teil zu nehmen. Und während der letzten Stunde wurde mir klar, dass ich die
Therapie nicht fürs Arbeitsamt, oder meine Familie oder den Führerschein gemacht habe!
Nein!! Diese Therapie war ausschließlich FÜR MICH!

Ich muss damit leben, was ich während meiner Saufzeit kaputt gemacht habe! Aber, ni-
Chts kann mich davon abhalten, es heute besser zu machen! Und, vor allem bin ich
Heute trocken!

Warum habe ich gesoffen? Weil ich mich selbst nicht leiden konnte! Deswegen trinke
Ich nicht mehr, weil ich mein
Leben wieder in den Griff bekommen will!
Lieber Trocken lebe, als jeden morgen im Spiegel einen anderen Menschen zu sehen!

Trinken tötet nicht nur Gehirnzellen! Alkohol ist das größte Zellgift überhaupt! Mit
Reinem Gewissen kann ich mir und meiner Familie in die Augen sehen! Ich gehe
Offen mit meiner Krankheit um! Das heißt auch, dass ich mich meinen
Chefs teilweise offenbare, wenn ich Ehrenamtliche Termine wahrnehmen möchte!
Keiner mochte mich, wenn ich besoffen war! Außer meinen "Freunden"! Heute ist
Es einfacher Probleme zu lösen, als "Sie weg zu saufen"! Durch Trinken wird
Nichts im Leben einfacher - im Gegenteil!

Besoffen sein ist Uncool! Durch meine Trockenheit ist mein
Leben wieder lebenswert! Und,
Etliche Menschen begleiten mich auf meinem trockenen Weg, daher weiß
Ich, dass ich nicht der einzige mit Alkoholproblemen bin! Denn
Betroffene wissen, wovon ich rede! Durch meine Trockenheit lebe ich
Endlich wieder viel ruhiger!
Niemand muss Sklave vom "Bruder Alkohol" sein!

Es kommt gelegentlich vor, dass ich während meines Urlaubs für einen Tag nach Elbingerode fahre,
und mich, sowie meinen Lebensweg, den anwesenden Suchtkranken, welche den Weg in die 
Trockenheit über die Therapie suchen, vorstelle! Denn ein Therapeut von 2001 ist immer noch dort,
und versucht nach wie vor Suchtkranken aus der Sucht zu helfen!

Alles in allem lebe ich nun schon seit neun Jahren zufrieden Abstinent!
Was ich in erster Linie mir selbst und der tatkräftigen Unterstützung meines
 
	"Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Halle (Saale)"

sowie meiner Familie verdanke!
 
AUF DIE NÄCHSTEN 24 STUNDEN TROCKENHEIT!
 
Euer Norbert Faust